Balkon anbauen
Sie überlegen, einen Balkon anzubauen? Ein nachträglicher Balkon macht aus einer Wohnung ohne Außenfläche einen echten Lieblingsplatz und steigert den Wert der Immobilie. Bevor es losgeht, sollten Sie aber einige wichtige Dinge klären: Genehmigung, Balkonart, Material, Statik und natürlich die Kosten.
Das Wichtigste in Kürze
- Für einen Balkonanbau ist in der Regel eine Baugenehmigung nötig.
- In Eigentumswohnungen muss die Eigentümergemeinschaft zustimmen, Mieter brauchen den Vermieter.
- Am einfachsten nachzurüsten sind Vorstellbalkone auf eigenen Stützen.
- Ein Statiker prüft, ob und wie der Balkon an der Fassade befestigt werden kann.
- Planen Sie mehrere Monate Vorlauf für Planung, Genehmigung und Bau ein.
Welche Arten von Anbaubalkonen gibt es?
- Vorstellbalkon: Der Balkon steht auf eigenen Stützen vor der Fassade und wird dort nur gegen Kippen gesichert. Die Fassade trägt kaum Last – deshalb ist er die häufigste Lösung bei Altbauten und Mehrfamilienhäusern, oft auch für mehrere Etagen übereinander.
- Anbaubalkon (Hängebalkon): Der Balkon wird an der Hauswand verankert und zusätzlich mit Zugstangen oder Konsolen gehalten. Er kommt ohne Stützen am Boden aus, stellt aber höhere Anforderungen an die Tragfähigkeit der Wand.
- Französischer Balkon: Nur ein Geländer vor einer bodentiefen Tür oder einem Fenster. Kein echter Austritt, aber mehr Licht und Luft – und oft ohne großen Aufwand nachrüstbar.
- Kragplattenbalkon: Die Betonplatte ragt aus der Geschossdecke heraus. Diese Bauweise ist vor allem im Neubau üblich und lässt sich nachträglich kaum umsetzen.
Aus welchem Material?
- Stahl (verzinkt): sehr stabil, langlebig und vergleichsweise günstig. Mit Pulverbeschichtung in fast jeder Farbe möglich.
- Aluminium: leicht, rostfrei und pflegeleicht. Moderne Aluminiumbalkone sind beliebt, aber meist etwas teurer.
- Holz: warm und natürlich, passt gut zu Landhaus und Altbau. Braucht aber regelmäßige Pflege und hält weniger lange.
- Brüstung: Glas, Lochblech, Stäbe oder Holz – hier entscheiden Optik, Sichtschutz und Budget. Die vorgeschriebene Höhe regelt die jeweilige Landesbauordnung (meist 90 cm, bei größerer Absturzhöhe höher).
Für den Boden eignen sich Holz- oder WPC-Dielen, Fliesen oder ein Gitterrost. Ideen finden Sie im Artikel Balkonboden.
Genehmigung und Zustimmung
Ein Balkonanbau verändert die Fassade und das Gebäude. In fast allen Bundesländern ist deshalb eine Baugenehmigung erforderlich. Wichtig sind dabei unter anderem die Abstandsflächen zum Nachbargrundstück, der Denkmalschutz und der Bebauungsplan. Den Bauantrag stellt meist ein Architekt oder der Balkonbauer.
- Eigentumswohnung: Ein Anbau ist eine bauliche Veränderung am Gemeinschaftseigentum und braucht einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft.
- Mietwohnung: Mieter dürfen keinen Balkon anbauen. Oft lohnt es sich aber, den Vermieter anzusprechen – für ihn steigert ein Balkon den Wert der Wohnung.
Balkon anbauen – Kosten
Die Kosten hängen stark von Größe, Bauart, Material, Etage und Zugänglichkeit ab. Ein einfacher Vorstellbalkon im Erdgeschoss ist deutlich günstiger als ein Aluminiumbalkon mit Glasbrüstung im dritten Stock. Neben dem Balkon selbst kommen hinzu:
- Planung, Statik und Baugenehmigung
- Fundamente für die Stützen
- Durchbruch für die Balkontür samt neuer Tür
- Gerüst oder Kran und Montage
- eventuell Fassadenarbeiten und Dämmung
Holen Sie mehrere Angebote von Fachbetrieben ein und lassen Sie sich die Leistungen genau aufschlüsseln. Bei mehreren Balkonen übereinander, etwa für alle Wohnungen eines Hauses, sinkt der Preis pro Balkon meist deutlich.
Balkon vergrößern – um wie viele Quadratmeter?
Ein Balkon sollte mindestens so tief sein, dass ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen Platz hat – also etwa 1,20 bis 1,50 Meter. Ab rund 2 Metern Tiefe wird er richtig gemütlich und bietet Platz für Liegestuhl und Pflanzen. Beachten Sie, dass größere Balkone die Räume darunter stärker verschatten können.
Worauf Sie außerdem achten sollten
- Wärmebrücken: Die Befestigung an der Fassade sollte thermisch getrennt sein, damit keine Kälte ins Mauerwerk zieht und sich kein Schimmel bildet.
- Entwässerung: Regenwasser muss gezielt abgeleitet werden und darf nicht auf den Balkon darunter tropfen.
- Wohnfläche: Balkone werden bei der Wohnfläche meist zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte angerechnet.
Ist der Balkon fertig, geht es ans Gestalten: Ideen finden Sie unter Balkon gestalten und Balkonmöbel.
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