Balkonkraftwerk

Mit einem Balkonkraftwerk erzeugen Sie Ihren eigenen Solarstrom – direkt am Balkongeländer, an der Wand oder auf dem Dach der Gartenlaube. Ein Stecker in die Steckdose, und schon laufen Kühlschrank, Router und Waschmaschine zum Teil mit Sonnenenergie. Seit 2024 sind die Regeln deutlich einfacher geworden: Mieter und Wohnungseigentümer haben einen Anspruch auf die Erlaubnis, die Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt und seit Ende 2025 gibt es eine eigene Produktnorm. Hier erfahren Sie, was erlaubt ist, was es kostet und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Leistung: bis 800 Watt Wechselrichterleistung und bis 2.000 Watt Modulleistung
  • Mieter und Eigentümer: haben seit 17.10.2024 einen Anspruch auf Zustimmung (§ 554 BGB, § 20 WEG)
  • Anmeldung: nur noch im Marktstammdatenregister, innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme
  • Stecker: normaler Schukostecker ist nach der Norm DIN VDE V 0126-95 bis 960 Watt Modulleistung erlaubt
  • Kosten: Komplettsets gibt es ab etwa 300 Euro, ohne Mehrwertsteuer (0 % seit 2023)

Was ist ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk – offiziell Steckersolargerät – ist eine kleine Photovoltaikanlage aus meist ein bis vier Solarmodulen und einem Wechselrichter. Die Module wandeln Sonnenlicht in Gleichstrom um, der Wechselrichter macht daraus haushaltsüblichen Wechselstrom und speist ihn über eine Steckdose ins Hausnetz ein. Den Strom verbrauchen zuerst die Geräte, die gerade laufen. Nur was übrig bleibt, fließt ins öffentliche Netz – in der Regel ohne Vergütung.

Anders als eine große Solaranlage auf dem Dach brauchen Sie keinen Elektriker für den Anschluss und keinen Netzanschlussvertrag. Das macht das Balkonkraftwerk auch für Mieter interessant.

Diese Regeln gelten

PunktRegel
Wechselrichterhöchstens 800 VA (Watt) Einspeiseleistung
Solarmodulezusammen höchstens 2.000 Watt Peak
AnmeldungMarktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, innerhalb eines Monats; keine separate Meldung beim Netzbetreiber
Stromzähleralter Ferraris-Zähler darf übergangsweise weiterlaufen, bis der Messstellenbetreiber ihn tauscht
SteckerSchukostecker bis 960 Watt Modulleistung (DIN VDE V 0126-95), darüber Energiesteckvorrichtung und Prüfung durch Elektrofachkraft
Anzahlein Steckersolargerät pro Haushalt bzw. Zähler, keine Mehrfachsteckdose, kein Verlängerungskabel
Mehrwertsteuer0 % beim Kauf

Anmeldung im Marktstammdatenregister

Die Anmeldung dauert etwa zehn Minuten und ist kostenlos. Sie legen auf der Website des Marktstammdatenregisters ein Konto an und registrieren die Anlage mit wenigen Angaben: Standort, Inbetriebnahmedatum, Modulleistung und Wechselrichterleistung. Den Netzbetreiber informiert das Register selbst. Die Frist beträgt einen Monat nach Inbetriebnahme.

Der Stromzähler

Ein alter Zähler mit Drehscheibe läuft rückwärts, wenn Sie mehr Strom erzeugen als verbrauchen. Das ist inzwischen übergangsweise geduldet. Der Messstellenbetreiber tauscht ihn aber gegen einen modernen Zweirichtungszähler – das kostet Sie nichts extra. Digitale Zähler ohne Rücklaufsperre müssen ebenfalls getauscht werden.

Die neue Produktnorm

Im Dezember 2025 ist die DIN VDE V 0126-95 erschienen, die weltweit erste Produktnorm für Steckersolargeräte. Sie legt fest, wie sicher ein Gerät sein muss: Beim Ziehen des Steckers muss der Wechselrichter blitzschnell abschalten, damit an den Steckerstiften keine gefährliche Spannung anliegt. Außerdem regelt sie den Schutz gegen Wind und Schnee. Geräte, die nach der Norm gebaut sind, dürfen mit normalem Schukostecker bis 960 Watt Modulleistung betrieben werden. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Hersteller die Konformität mit der Norm erklärt. Bereits laufende Anlagen sind von der Norm nicht betroffen.

Balkonkraftwerk als Mieter

Seit dem 17. Oktober 2024 zählen Steckersolargeräte zu den sogenannten privilegierten Maßnahmen. Nach § 554 BGB können Mieter verlangen, dass der Vermieter ein Balkonkraftwerk erlaubt. Ablehnen darf er nur, wenn ihm die Anlage im Einzelfall nicht zuzumuten ist – etwa bei denkmalgeschützten Fassaden oder einer unsicheren Befestigung.

Mehr zu Rechten auf dem Balkon lesen Sie in unseren Urteilen rund um den Balkon.

Balkonkraftwerk in der Eigentumswohnung

Wohnungseigentümer haben nach § 20 WEG ebenfalls einen Anspruch darauf, dass die Eigentümergemeinschaft ein Balkonkraftwerk erlaubt. Die Gemeinschaft entscheidet per Beschluss, darf aber nur über das Wie befinden – etwa über einheitliche Halterungen oder die Farbe der Module – und nicht über das Ob. Stellen Sie den Antrag rechtzeitig vor der nächsten Eigentümerversammlung.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Wie viel Strom ein Balkonkraftwerk liefert, hängt stark von Ausrichtung, Neigung und Verschattung ab. Ein Südbalkon ohne Schatten ist ideal, West- und Ostbalkone funktionieren auch gut. Senkrecht am Geländer hängende Module erzeugen weniger Strom als schräg aufgestellte – dafür liefern sie im Winter bei flach stehender Sonne vergleichsweise viel. Welche Seite Ihres Balkons wann Sonne bekommt, zeigt unser Beitrag zur Sonnenausrichtung.

Eine grobe Beispielrechnung für eine Anlage mit zwei Modulen:

schräg aufgestellt, Südsenkrecht am Geländer, Süd
Stromertrag pro Jahretwa 700–900 kWhetwa 450–650 kWh
davon selbst genutzt (ohne Speicher)oft 40–60 %oft 50–70 %
Ersparnis bei 35 ct/kWhetwa 100–190 € pro Jahretwa 80–160 € pro Jahr

Die Zahlen sind Richtwerte. Wer tagsüber zu Hause ist und Geräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler in die sonnigen Stunden legt, nutzt mehr eigenen Strom und spart mehr. Bei Anschaffungskosten ab etwa 300 bis 600 Euro hat sich ein Balkonkraftwerk häufig nach drei bis sechs Jahren bezahlt gemacht. Die Module halten 20 Jahre und länger.

Mit oder ohne Speicher?

Ein Batteriespeicher nimmt überschüssigen Mittagsstrom auf und gibt ihn abends wieder ab. So steigt der Eigenverbrauch deutlich. Speicher kosten aber zusätzlich einige Hundert Euro, und die Anschaffung rechnet sich meist erst nach vielen Jahren. Für den Einstieg reicht ein Balkonkraftwerk ohne Speicher. Wichtig: Speicher sind von der neuen Produktnorm nicht erfasst – achten Sie hier besonders auf Qualität, Brandschutz und Herstellerangaben.

Montage auf dem Balkon

Planen Sie das Balkonkraftwerk bei der Balkongestaltung mit: Module am Geländer ersetzen zum Teil den Sichtschutz, nehmen aber Kletterpflanzen und Balkonkästen den Platz.

Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Versicherung

Eine Pflicht zur Versicherung gibt es nicht. Informieren Sie trotzdem Ihre Haftpflicht- und Hausratversicherung. Viele Tarife schließen Balkonkraftwerke inzwischen ein – etwa wenn ein Modul bei Sturm herunterfällt und etwas beschädigt.

Häufige Fragen

Muss ich ein Balkonkraftwerk beim Netzbetreiber anmelden?

Nein. Seit Mai 2024 reicht die Registrierung im Marktstammdatenregister. Der Netzbetreiber bekommt die Daten automatisch.

Darf mein Vermieter das Balkonkraftwerk verbieten?

Nur in Ausnahmefällen, wenn es ihm nicht zuzumuten ist. Grundsätzlich haben Mieter seit Oktober 2024 einen Anspruch auf die Erlaubnis. Der Vermieter darf aber Vorgaben zur Art der Befestigung machen.

Brauche ich eine Wieland-Steckdose?

Für Geräte nach der neuen Norm mit bis zu 960 Watt Modulleistung reicht ein normaler Schukostecker. Wer mehr Modulleistung anschließen möchte, braucht eine spezielle Energiesteckvorrichtung und eine Prüfung des Stromkreises durch eine Elektrofachkraft.

Bekomme ich Geld für eingespeisten Strom?

Im vereinfachten Verfahren nicht. Eine Einspeisevergütung ist zwar möglich, erfordert aber den regulären Netzanschlussprozess und lohnt sich bei den kleinen Mengen kaum. Ein Balkonkraftwerk rechnet sich über den selbst genutzten Strom.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auf dem Nordbalkon?

Eher nicht. Auf einem Nordbalkon erreichen die Module nur einen Bruchteil ihres Ertrags. Besser geeignet sind Süd-, West- und Ostbalkone ohne starke Verschattung.

Stand: September 2026. Die rechtlichen Angaben sind allgemeine Informationen und keine Rechtsberatung.



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